Mein Kräutergarten

Wie Sie sich mit ein paar kleinen Tricks eine Duftoase und einen Entspannungsmoment schaffen – auch auf Balkon und Terrasse

Vor Kurzem sind wir von einem Haus mit Garten in eine Wohnung mit Südbalkon gezogen. Die Wohnung ist lichtdurchflutet, gut geschnitten, liegt in einer ruhigen Gegend der Stadt und hat einen Aufzug. Hier können wir für immer wohnen. Wir freuen uns darauf! Einziger Wermutstropfen ist das mit dem Garten. Ich liebe den Duft und das Aroma von Kräutern, ich genieße es, frische Kräuter fürs Kochen zu verwenden oder mit diesen einen Tee aufzubrühen. Was tun? Ich besorgte mir Bücher. Ja, auf ganz herkömmliche Art und Weise. Ich las, lächelte – und legte los.

Standortanalyse

Haben Sie gewusst, dass Kräuter Welteroberer sind und sich überall auf der Welt angesiedelt haben? Mancherorts wachsen sie klein und bescheiden zu Füßen von Bäumen und Sträuchern. Woanders entfalten sie sich an freien, sonnigen Plätzen mit Blüten in leuchtenden Farben. Die einen lieben das Miteinander, die anderen bevorzugen die Einsamkeit. Wie bei uns Menschen eigentlich.

Wer das weiß, hat schon mal die halbe Miete für einen erfolgreichen Kräutergarten. Ob auf Balkon, Terrasse, Garten oder sogar Fensterbank. Schauen Sie sich immer zuerst Ihren Standort an. Was können Sie den kleinen grünen Gewächsen bieten? Am richtigen Standort können sie gut gedeihen und ihre Aromen bestmöglich entwickeln. Haben Sie Süd- oder Südwestlage? Dann sind hier Sonnenanbeter wie Salbei oder Lavendel richtig. Oder gibt es den einen oder anderen Strauch? Dann gerne zu dessen Füßen Bärlauch pflanzen.

Wir haben das Glück, dass es einige unserer heimischen Pflanzen mit der Sonne nicht ganz so genau nehmen und sich an den Standort anpassen. Dazu gehören zum Beispiel Pfefferminze, Sauerampfer und Baldrian. Voraussetzung: Sie bekommen genügend Feuchtigkeit. Achten Sie beim Pflanzen von Balkonkästen auch darauf, Kräuter zusammenzustellen, die hinsichtlich Standort, Erde, Größe und Feuchtigkeit ähnliche Ansprüche haben. Und auch das Wachstum sollte passen. Wuchert ein Kräuterchen gerne, verdrängt es die anderen.

Erde und Pflege

Wenn Sie also den Standort untersucht und verstanden haben, geht es an die Erde. Diese ist die Grundlage für gesundes Wachstum. Deswegen sollte es Markenerde sein. Für Kräuter ist ein sandiger Lehmboden mit mäßigem Nährstoffangebot und lockerem Untergrund ideal. Das Wasser kann abfließen und die Pflanzen leiden nicht unter Staunässe. Zudem werden sie gut ernährt, schießen aber nicht ins Kraut. Regelmäßiges und achtsames Gießen ist übrigens wichtig. Kräuter dürfen nicht austrocknen, doch auch nicht zu nass sein.

Aussaat gefällig?

Sollten Sie zu den Personen gehören, die auch die Aussaat selbst übernehmen wollen, ist auch das kein Hexenwerk. Es hängt eigentlich nur von Ihrem Platzangebot im Garten oder Balkon ab. Die Aussaat braucht saubere Schalen, Kisten oder Töpfe mit einem Wasserabzug. Und klar: Je früher Sie aussäen, desto früher können Sie ernten. Wenn Sie also im Februar starten, können Sie die kleinen Pflänzchen schon nach den Eisheiligen ins Freiland setzen. Dies funktioniert prima auf der Fensterbank in der Wohnung. Sie sollten spezielle Aussaaterde benutzen, weil sie mager und steril ist. Normale Blumenerde hat einen zu hohen Nährstoffgehalt. Natürlich gibt es noch ein bisschen mehr zu beachten. Also am besten vorab nochmals das ein oder andere durchlesen. Ich werde es Anfang nächsten Jahres in jedem Fall versuchen.

Dünger

Sind die Kräuterchen fünf bis sieben Zentimeter groß, können Sie diese in frische, nährstoffreiche Erde setzen. Kräuter brauchen wenig Unterstützung, aber doch ein bisschen Dünger. Wählen Sie diesen gut aus, Sie wollen die Kräuter ja verzehren. Vielleicht eine Brennnessel- oder Jauchebrühe? Ich nehme immer etwas Natürliches. Und stelle die Brühe meist auch selbst her.

Für Nase und Auge

Sie haben Lust auf Kräuterduft, wollen aber trotzdem nicht auf bunte Blüten verzichten? Kombinieren Sie nach Lust und Laune. Pflanzen Sie zum Beispiel gerne ein paar Sonnenblumen zwischen die Kräuter. Oder Sie folgen diesen Pflanzvorschlägen und bestücken ihre Balkonkästen jeweils unterschiedlich:

Bunte Blütenpracht

  • am äußeren Rand orange blühende Kapuzinerkresse
  • dahinter zwei bis drei gelb und orange blühende Ringelblumen
  • in der Mitte weiß blühende Kamille
  • für einen zarten Blauton an der Außenseite ein paar Samenkörner der "Jungfer im Grünen"

Duftendes Sommer-Aroma

  • am äußeren Rand Oregano und Thymian
  • in der zweiten Reihe tiefviolett blühenden Heliotrop und kleinblühtige, leuchtend gelbe Gewürztagetes

Mittelmeer Flair

  • zwei Lavendel
  • versetzt mit einer Zwergrose
  • und dazu zwei bis drei buntblättrige Salbei

Duftend-leuchtende Harmonie

  • in der Mitte des Kastens je eine Reihe duftenden Majoran und Bohnenkraut
  • an den Seiten jeweils Katzenminze, die den Kasten mit silbergrauen Blättern und lila Blüten schmückt

Für den Winter

Alles schön und gut, doch was tun im Winter? Ja, Balkonkästen frieren im Winter schneller durch. Sie brauchen daher einen Schutz, zum Beispiel eine Abdeckung mit Tannenreisig. Grund für einen schönen ausgedehnten Spaziergang.

Sollten die Temperaturen unter Null Grad fallen, dann stellen Sie die Kästen zusätzlich auf eine Noppenfolie oder Zeitung und umhüllen sie diese mit Reisig oder Laub. Sollten Sie Rosmarin haben, nehmen Sie ihn bitte mit ins Haus oder in die Wohnung. Er liebt es zwar kühl, aber auch hell. Stellen Sie ihn also zu ihren Winterkräutern auf die Fensterbank.

Denn in Tontöpfchen müssen Sie auch in der kalten Jahreszeit nicht auf leckeres, frisches Kräuteraroma verzichten. Basilikum, Melisse, Pimpinelle, Schnittlauch und Thymian wachsen zum Beispiel gut und gerne auch im Inneren, am besten an Ost- und Westfenstern. Mit ein bisschen Unterstützung im Sinne von regelmäßigem Gießen sorgen sie für viele wohltuende Genussmomente.

Sie sind neugierig, wer meine Ratgeber sind? Dann blättern Sie hier:

  • "Kräuter" von Marie-Luise Kreuter, Verlagsgruppe Weltbild GmbH, 2006
  • Kräutergarten kompakt von Burkhard Bohne, Renate und Fridhelm Volk, Renate Dittus-Bär, Eugen Ulmer KG, 2009, 2012

Verena, eine Em‑eukal Liebhaberin